living Lesedauer: 7 min Erscheinungsdatum: 20.12.2022

WEIHNACHTSTRADITIONEN - UNTERSCHIEDE ZWISCHEN KÄRNTEN UND KANADA

© Stefanie Kaiser
Weihnachtsbaum mit Geschenken

Es ist ziemlich faszinierend, wie unterschiedlich Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert werden kann, nicht wahr? Ich denke, eines der Dinge, die Weihnachten so besonders machen, sind die Traditionen, die jedes Jahr stattfinden. Ob es um die eigenen Lieblingsspeisen geht oder darum, die schönen Lichter zu genießen und Zeit mit der Familie zu verbringen … Es gibt viel, worauf man sich während der Feiertage freuen kann. Das Ziel dieses Blogposts ist es, Unterschiede in den Traditionen meiner Heimat (Kanada) und meiner neuen Wahlheimat (Villach) aufzuzeigen. Obwohl es viele Ähnlichkeiten gibt, gibt es einige neue Traditionen, die ich mit Freude entdecken konnte und einige, die ich erst noch kennenlernen muss.

WEIHNACHTSBÄUME

Einer der größten Unterschiede in den bekanntesten Weihnachtstraditionen, der mir bisher aufgefallen ist, ist, wann die Leute ihre Weihnachtsbäume aufstellen. Wenn es im November kälter wird, ist es in Kanada eines der ersten Dinge, die die Leute tun, zu einer Weihnachtsbaumfarm zu gehen und einen Baum zu fällen. Wir bringen den Baum dann nach Hause und dekorieren ihn gleich. Bei Gesprächen mit österreichischen Freund:innen habe ich erfahren, dass das Aufstellen des Weihnachtsbaums meistens erst am 24. Dezember, an Heiligabend, stattfindet. Dies ist etwas, was ich als einen großen Unterschied in den Traditionen empfinde, und offensichtlich gibt es hier keinen richtigen oder falschen Weg.

Erleuchteter Weihnachtsbaum am Heiligabend
© Stefanie Kaiser

WEIHNACHTSMÄRKTE & WEIHNACHTSBELEUCHTUNG

Eine andere Tatsache, die einige österreichische Freund:innen schockierte, war, dass wir in Kanada keine wirklichen Weihnachtsmärkte haben. Traurig... ich weiß! Obwohl es einige in den größeren Städten wie Montreal und Toronto gibt, sind sie nicht üblich. Aus diesem Grund gehört das Entdecken der Weihnachtsmärkte hier in Kärnten zu meinen Lieblingsbeschäftigungen während wir hier in Villach leben. Nachts durch die Stadt zu spazieren und die schönen Lichter zu betrachten und traditionelle Weihnachtsmarkt-Spezialitäten - wie Glühwein, Mandeln, heißen Aperol und kandierte Äpfel - zu probieren, ist etwas, das mein Partner und ich nie vergessen werden. 

Obwohl wir in Kanada nichts haben, was diesen wunderschönen Weihnachtsmärkten auch nur nahe kommt, finde ich, dass Weihnachtsbeleuchtung in Kanada wesentlich präsenter sind. Dort schmücken normalerweise alle ihre privaten Häuser mit Lichtern und Dekoration, wenn der erste Schnee fällt. Etwas, das wir traditionell machen, ist, eine heiße Schokolade oder einen Kaffee und ein paar Snacks zu holen und mit Familie und Freund:innen herumzufahren, um die Lichter zu genießen. Allerdings muss ich sagen…ich bevorzuge die österreichischen Weihnachtsmärkte und die schönen Lichter an den Bäumen und Hotels in der Innenstadt.

Festlich geschmückte Innenstadt mit Verkaufsständen
© Marta Gillner

Neben der offiziellen Weihnachtsbeleuchtung im Villacher Stadtzentrum gibt es auch in der ganzen Stadt verteilt private Häuser, die festlich dekoriert sind. Während die meisten Häuser im Vergleich zu Kanada eher dezent geschmückt sind, sticht ein Haus in Oberwollanig mit seinem “nordamerikanischen Stil” besonders hervor und ist jedes Jahr eine Attraktion für Einheimische. Dieses Jahr bleibt es jedoch aus Energiespargründen unbeleuchtet.

 

WEIHNACHTEN FEIERN AM 24. VS. DEN 25. DEZEMBER

Ein weiterer Unterschied in den Traditionen, der mir aufgefallen ist, ist, dass wir in Kanada Weihnachten am 25. Dezember feiern. Ich habe kürzlich erst erfahren, dass es in Österreich üblich ist, schon am 24. zu feiern und die Geschenke zu öffnen. In Nordamerika ist Heiligabend oft eine Nacht, die man mit der Familie verbringt oder in der man spät in die Kirche geht. Besonders in Quebec ist es üblich, zur Mitternachtsmesse zu gehen. Danach versammelt sich die Familie zu Hause und isst spät in der Nacht traditionelles, französisch-kanadisches Essen. Ein Beispiel dafür ist ein Eintopf namens „Ragoût aux pattes de cochons“, der aus Schweinefüßen zubereitet wird! Auch in Kärnten wird von einigen Familien traditionell die Christmette besucht. Am 24. ist es außerdem für viele Brauch, ein eher einfacheres Mahl (im Vergleich zum Festessen am ersten Weihnachtsfeiertag) - wie Selchwürstel mit Sauerkraut - aufzutischen. Genau so wie in Kanada hat aber auch hier jede Familie ihre eigenen Traditionen.

In Kanada gehen die Kinder dann am Heiligabend früh ins Bett, in der Hoffnung, dass der Weihnachtsmann an diesem Abend zu Besuch kommt, und hinterlassen Kekse und Milch für ihn und Karotten für die Rentiere. Dann, am Weihnachtsmorgen, wachen die Kanadier:innen auf und es liegen Geschenke unterm Baum, und die Strümpfe sind vollgestopft mit kleinen Geschenken. Traditionell finden Kinder, wenn sie sich gut benehmen, Clementinen und, wenn sie unartig sind, Kohle in ihren Strümpfen. Ich fand es sehr interessant zu erfahren, dass Kinder in Österreich normalerweise nicht an den Weihnachtsmann glauben, sondern an das sogenannte Christkind. Das war mir so nicht bewusst und es ist ein so bedeutender Unterschied zwischen den Weihnachtstraditionen von Kanada und Österreich! Das Christkind bringt den Kindern an Heiligabend Geschenke. In Villach gibt es als spezielles Ereignis in der Adventzeit den Bauernadvent - ein festlich inszenierter Umzug, bei dem das Christkind, begleitet von Engeln, Hirten und den Heiligen drei Königen in Villach ankommt, der Jahr für Jahr tausende Zuseher:innen in die Innenstadt lockt.

© Oskar Höher
Lichtershow an der Drau
© Oskar Höher
Gruppenfoto mit Christkind und Engeln in Villach
© Oskar Höher
Umzug in der Villacher Innenstadt

In Kärnten gibt es noch eine weitere vorweihnachtliche Tradition, bei welcher - ähnlich wie in Nordamerika - zwischen braven und unartigen Kindern unterschieden wird und die braven Kinder beschenkt werden. Am Abend des 5. Dezember besucht der heilige Nikolaus die Kinder zu Hause und bringt den Guten als Belohnung für ihr gutes Benehmen einen Sack gefüllt mit Erdnüssen, Mandarinen, Äpfeln, Schokolade und Lebkuchen mit. Der Begleiter vom Nikolaus ist der Krampus, der den ungezogenen Kindern mit der Rute droht. Obwohl es kaum mehr üblich ist, dass Krampusse den Nikolaus beim Besuch der Kinder zu Hause begleiten, finden hier in Kärnten traditionellen vielerorts schaurige Krampusumzüge statt.

Zurück zum Weihnachtsmorgen: Traditionell findet am Weihnachtstag in Kanada ein großer Brunch und ein Weihnachtsessen statt. Das Festmahl besteht oft aus Truthahn, Kartoffelpüree, Preiselbeersauce, geröstetem Gemüse, Brötchen und Wein. Dann, am 26. (am 2. Weihnachtstag), gehen die Leute oft einkaufen, da es viele gute Schlussverkäufe gibt. Im Vergleich dazu gibt es in Österreich am 25. Dezember traditionell meist einen Festbraten im Kreise der Familie. Der 26. Dezember ist in Österreich auch noch ein offizieller Feiertag, an dem die Geschäfte geschlossen sind und die Leute Zeit mit der Familie verbringen können.

Ich finde es so interessant, etwas über die unterschiedlichen Weihnachtsbräuche in meinem Heimatland und Österreich zu erfahren. Ich würde sagen, dass diese neuen Erfahrungen bis jetzt meine Lieblings-Aspekte vom Leben in Villach sind. Mir ist klar, dass dies nur einen kleinen Teil der österreichischen Weihnachtstraditionen abdeckt und ich freue mich darauf, mehr zu entdecken!

© Stefanie Kaiser
Geschenke unter dem Weihnachtsbaum